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Pressemitteilung: DAS DETROIT-PROJEKT

09/10/2013

DAS DETROIT-PROJEKT

Ein einjähriges internationales Stadt- und Kunstfestival auf der Suche nach der Zukunft in Bochum mit Partnern aus Deutschland, Großbritannien, Polen, Spanien und den USA.

„Bochum ist Opel und Opel ist Bochum!“ – mit diesem Satz beschrieb Herbert Grönemeyer das Verhältnis seiner Heimatstadt zur Autofabrik. In den siebziger Jahren, als 22.000 Menschen im Werk arbeiteten, drückte sich darin der Stolz und die Identität der ganzen Stadt aus. Heute jedoch sieht die Stadt der Schließung des Werkes entgegen: das Ende einer Ära steht bevor. Damit gehen nicht nur Arbeitsplätze verloren, sondern die Identität einer ganzen Stadt steht in Frage. Wenn Bochum nicht mehr Opel ist – was wird es dann in Zukunft sein? Eine verarmte „shrinking city“ wie Detroit oder eine Stadt, die selbstbewusst die Zukunft entwirft und mutig neue Wege geht?

Bochum ist mit diesen Herausforderungen nicht allein: In ganz Europa sind ähnliche Transformationsprozesse zu beobachten. Doch besonders relevant für Bochum sind der Vergleich und der Dialog zwischen den europäischen „Motorcities“ – den Standorten der drei großen europäischen General Motors-Niederlassungen in Gliwice (Polen), Zaragoza (Spanien) und Ellesmere Port/Liverpool (Großbritannien). Auch sie sind ehemalige Bergbau- und Industriestädte, die wie Liverpool schon tiefe Krisen erfahren haben. Noch sind dort durch die Opel-Werke zahlreiche Arbeitsplätze gesichert, doch sollte GM diese Städte verlassen, müssen auch hier neue Strategien entwickelt werden.

Wie reagieren Künstler, Architekten und Intellektuelle in Polen, Spanien England und Deutschland auf diese Herausforderungen? Kann die Kunst Wege aufzeigen für die Motorcities im Umbruch? Was brauchen diese Städte für die Zukunft? Wie lässt sich trotz aller Spannungen eine gemeinsame europäische Perspektive formulieren? – DAS DETROIT-PROJEKT stellt Fragen und sucht Antworten zur Zukunft der Stadt, der Arbeit und der Kunst und verbindet die vier europäische Opel-Städte. Gemeinsam entwickeln wir Möglichkeiten und Chancen für die Zukunft.

Anselm Weber, Intendant Schauspielhaus Bochum: „ ‚This is not Detroit’ ist ein internationales Stadt- und Kunstfestival über die Zukunft der Stadt Bochum. Als Schauspielhaus Bochum bemühen wir uns um die Aktivierung der Stadt, den europäischen Dialog und um internationale Kunst. Bochum steht vor großen Herausforderungen und Veränderungen. Es geht für jeden Einzelnen um Arbeitsplätze, soziale Absicherung und soziale Chancen, aber es geht um weit mehr. Es geht um die Identität und die Zukunft dieser Stadt und Region. Als Stadttheater für die ganze Stadt fördern wir diese Prozesse mit den Mitteln des Theaters.“

Katja Aßmann, Künstlerische Leiterin Urbane Künste Ruhr: „DAS DETROIT-PROJEKT ist eine große künstlerische Geste anlässlich der Schließung des Opel-Werkes in Bochum. Es greift eine drängende urbane Fragestellung auf, die das ganze Ruhrgebiet betrifft: Wie wollen wir die Zukunft der Stadt und der Arbeit selbst bestimmen? Diese Frage diskutieren wir mit internationalen Künstlern und Querdenker genauso wie mit lokalen Anwohnern und Opelanern, um gemeinsam über die Mitteln der Kunst neue Perspektiven aufzuzeigen.“

Kirsten Haß, Leiterin Förderung der Kulturstiftung des Bundes: „Mit DAS DETROIT-PROJEKT ist das Schauspielhaus Bochum auf der Höhe seiner Möglichkeiten als Theater: Es spiegelt nicht nur eines der dringlichsten Themen der Stadt, sondern greift mit künstlerischen Mitteln ein, nimmt Einfluss auf den Umbauprozess. Nicht an den Menschen der Region vorbei, sondern mit ihnen. Die Partnerschaft mit internationalen Künstlern, Kuratoren und Stadtplanern zeigt, dass die Themen Arbeit, Identität und Transformation globale sind und wir gemeinsam über unsere Zukunft nachdenken müssen. Dafür braucht es Zeit, und genau die können wir diesem einjährigen, künstlerischen Prozess mit Hilfe unserer Förderung geben.“

Die Experten aus England, Polen und Spanien verbinden sich im „Internationalen Labor“ des Detroit-Projektes. Ein Jahr arbeiten sie zusammen und treffen sich in jeder Stadt einmal, um unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und Methoden zu diskutieren und neue Impulse für die eigene Arbeit zu gewinnen. Im Oktober 2014 kehren sie nach Bochum zurück und werden Empfehlungen aussprechen für die Veränderungen in Bochum.

DAS DETROIT-PROJEKT aktiviert und beteiligt außerdem die Menschen in Bochum, denn der soziale und kulturelle Transformationsprozess in Bochum kann nur dann gelingen, wenn die Menschen in der Stadt aktiv beteiligt und nicht Objekte des Wandels sind.

DAS DETROIT-PROJEKT entwickelt Aktionen, Interventionen und eine Vielzahl von Veranstaltungen und Vorstellungen, in denen die Einwohner von Bochum als Teilnehmer, Zuschauer oder Mitspieler aktiv werden. Ob im Stadtraum oder im Theater, ob Tanz, Musik oder bildende Kunst, in Projekten oder in partizipativen Aktionen: DAS DETROIT-PROJEKT setzt kreative Energien frei. Denn nicht nur internationale Gäste, Wissenschaftler, Künstler und Architekten beschäftigen sich mit den Fragen nach der Zukunft der Arbeit und der Stadt, mit ihnen gemeinsam werden die Kunst- und Kultureinrichtungen und letztlich die ganze Stadt beteiligt und aktiv.

Beteiligte Künstler und Kuratoren sind unter anderem Tyree Guyton („Heidelberg Project“) aus Detroit / USA, Igor Stokfiszweski („krytykapoliyczna“/ „Politische Kritik“) und Marta Keil (Kuratorin) aus Polen, Paul Domela („Shrinking Cities“) aus Liverpool / Großbritannien, Alberto Nanclares (basurama), Patrizia di Monte und José Carlos Arnal (FZCC Zaragoza) aus Spanien, Tim Etchells (Großbritannien) und Ari Benjamin Meyers (Berlin und USA/ New York).

Programm 10. Oktober bis 12. Oktober 2013:

Donnerstag, 10. Oktober 2013, 20 Uhr
Internationales Bankett „slow food and slow thinking“
Schauspielhaus Bochum
25 Euro (inkl. Speisen und Getränken), Anmeldung an
detroit@bochum.de

Freitag, 11. Oktober 2013, 10 – 18 Uhr
Symposium „Motorcities im Aufbruch – International Lab (1st edition)“
Schauspielhaus Bochum
15 Euro, Anmeldung an
detroit@bochum.de

Freitag, 11. Oktober 2013, 18 Uhr
Nightwalk in Bochum-Ehrenfeld
Eintritt frei

Freitag, 11. Oktober 2013, 19.30 Uhr
Internationales Labor „WE ARE THE CITY!“
Schauspielhaus Bochum
Eintritt frei, keine Anmeldung notwendig, in englischer Sprache

Samstag, 12. Oktober 2013, 12 – 18 Uhr
„THINK GLOBAL, ACT LOCAL“
Aktion, Kunst und Musik in der Innenstadt von Bochum
Eintritt frei

Samstag, 12. Oktober 2013, 20 Uhr
Konzert GUSTAV & Band
Schauspielhaus Bochum
15 Euro / 10 Euro

Das gesamte Detroit-Projekt findet von Oktober 2013 bis Oktober 2014 in Bochum statt und wird vom 10. bis zum 12. Oktober 2013 in Bochum eröffnet. Das internationale Stadt- und Kunstfestival wird von April bis Juli 2014 stattfinden. Die Abschlussphase ist für Oktober 2014 geplant. In den Zwischenphasen finden zusätzlich ca. ein bis zwei Mal im Monat Veranstaltungen in Bochum statt.

Leitung: Olaf Kröck und Sabine Reich (Geschäftsführende Dramaturgen Schauspielhaus Bochum), Katja Aßmann (Künstlerische Leiterin Urbane Künste Ruhr)

Ein Projekt von Schauspielhaus Bochum und Urbane Künste Ruhr.

DAS DETROIT-PROJEKT wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.

Hier können Sie die gesamte Pressemappe mit weiteren Informationen downloaden: Pressemappe.